WN 01.12.2016: Dem Armageddon ins Auge blicken

Cactus Junges Theater spürt Endzeitstimmung nach

Von Petra Noppeney

Münster – Die Bühne wird karg sein – passend zur Stimmung im „Waste Land“ (für: verlassenes Land). Dafür tragen manche Bühnenakteure Pelz – wie es sich für eine „Gesellschaft im Wohlstand“ gehört, die ohne moralische Werte ist und sich selbst nicht mehr ernst nimmt. Doch trotz geballter Endzeitstimmung, die das neue Stück von Cactus Junges Theater – Titel: „The End of the World as we know it“ – behandelt, verspricht der Regisseur Alban Renz: „Es wird kein Abend werden, bei dem die Zuschauer deprimiert aus dem Theater kommen.“
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THE END OF THE WORLD AS WE KNOW IT

Exodus, Untergangsstimmung, kulturelles Erschöpfungssyndrom – die Erde wird untergehen. Mal wieder. Aber was hat denn ernsthaft Bedeutung im Angesicht des Worst-Case-Szenarios? Was ist wichtig? Sind wir uns selber am Nächsten im Ernstfall oder geht’s auch um das Überleben unserer Soziotope, der Kunst, der Ethik, der Religionen? Regisseur Alban Renz, sein Co Andy Strietzel und das 10köpfige Ensemble sind theatral eingetaucht in die Zeit vor der Apokalypse und in das, was danach kommen könnte. Fallout, Übersättigung, Walking Dead und Egostreben, brennende Fahnen und Parolengebrüll. Oder doch nicht? Sie sind immer wieder auf die elementaren Fragen des Menschseins und der Endlichkeit gestoßen: was ist es wert, zu überdauern? Wie und mit wem möchte ich meine letzten Stunden teilen? Lohnt es sich auch im Angesicht der größten Bedrohung weiterzumachen und wie weit bin ich bereit zu gehen? Unter anderem inspiriert durch den McCarthy Roman „The Road“, Filme wie „These final hours“ und dramaturgisch bearbeitete Eigentexte ist das Skript für eine bildgewaltige Inszenierung entstanden. Philosophisch, trashig, persönlich.
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